Der Pfad ist schmal

Ich sehe ein Bild, was mir zeigt, wie ich gerade unterwegs bin. Es ist ein schmaler Pfad, der auch noch über eine Brücke führt. Dieser Pfad schlängelt sich nur wenig, meist ist er eine gerade Linie, die unendlich scheint. Am Horizont ist nicht zu sehen … außer dieser Pfad, der sich dort irgendwo verliert …

Ich gehe ihn entlang und meine, mich gerade auf dieser Brücke zu befinden. Die Brücke, die genau vor mir ist. Ich setze den ersten Fuss, dann den zweiten, gehe vorsichtig, langsam, ängstlich, unsicher … schaue mal kurz nach rechts und links und komme sofort ins Wanken. Der Pfad ist einfach zu schmal, um hier herum zu tänzeln oder die Aufmerksamkeit anderweitig zu streuen. Ich habe echt mein Tun, ihn nicht zu verlieren und ihm so weit zu folgen, dass ich die Brücke unbeschadet überqueren kann. Doch was kommt dann? Geht es so weiter?

Warum meine ich eigentlich, den Pfad nicht verlassen zu dürfen? Was, wenn ich das tue? Was, wenn ich die Balance verliere?

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Dieses Bild zeigt sehr genau, wie ich diese Tage wahrnehme … ich meine einen Pfad entlang zu gehen, der wirklich sehr, sehr schmal ist. Dabei muss ich schauen, dass ich nicht auf die eine Seite abrutsche, denn dort ist es finster, dunkel und eng. Auf die andere Seite zieht es mich aber auch nicht, obwohl es dort hell leuchtet, mir Wärme entgegen strahlt und mich einzuladen scheint, doch dort hin zu kommen. Darf ich das nicht? Wer begrenzt mich? Begrenzt mich wirklich was oder ist es einfach jetzt wichtig, auf dem Pfad zu bleiben und beide Seiten wahrzunehmen, ohne in sie hinein zu gehen?

Heute morgen ging es nicht anders, ich rutsche in ein „Loch“ und fand mich auf der dunklen Seite wieder. Dort blieb ich einen Moment, um etwas in mir zu heilen. Es ist wichtig, dem zu folgen, um anschließend wieder auf den Pfad zurück zu kehren. Hier kenne ich mich zumindest etwas aus, wenn auch nur ein wenig. Denn im Grunde fühle ich mich ziemlich verloren hier. So allein und unsichtbar. So gefühlt durcheinander, weit weg von meinem wahren Ich, so wie auf einer neuen, doch zutiefst unbekannten Spur. Ein Licht sehe ich auch nicht in der Ferne leuchten, nur einen Zug spüre ich immer wieder. Diesem muss ich folgen, so schmerzhaft, dunkel und verwirrend es auch in manchen Momenten sein mag. Es geht hindurch durch diesen Schmerz, durch dichte Schichten und zähe Masse … immer weiter, immer tiefer?

Wo bringt er mich hin, dieser Pfad? Ich hörte heute und schon vor Tagen, dass wir endlich Unterstützung bekommen, dass wir endlich aufatmen können, dass wir leben können. Die Schwere der letzten Monate löst sich auf, wird gesagt … hm … wirklich? Langsam? Zögernd? Wann?

Ich würde gern all meine Puzzleteilchen zusammen nehmen und daraus (m)ein Lebenspuzzle legen. Nur scheint mir gerade, als ob einige davon auf einem großen Haufen liegen und andere noch nicht mal da sind. Wie soll ich diese dann so verbinden, dass etwas „Rundes“, etwas, was zu mir gehört, was ich bin, entsteht?

All diese Fragen kreiseln in mir und lassen ein weiteres Bild entstehen. Ein großer Vogel kreist über mir. Er scheint eine Botschaft für mich zu haben. Seine Feder fand ich gestern schon an einer unerwarteten Stelle … stopp, genau, ist es das? Das ist es!!!

Unerwartet wird sich zeigen, was noch an Puzzleteilchen fehlt! Genauso unerwartet wird sich der Pfad verbreitern, so dass ich gemütlich und sicher darauf weiter gehen kann. Vielleicht habe ich dann auch Lust, zu tanzen und zu hüpfen? Vielleicht auch meine Arme auszubreiten und alles zu empfangen, was mir begegnet? Nur vielleicht? Nein, ganz bestimmt!!!

Diese Botschaft ist eine unter vielen, die ich die letzten Tage erhielt. Da sie jedoch mit ihrem Eintreffen auf sich warten ließen, kamen Zweifel, Ängste und Verwirrung.

Ist es jetzt anders? Was ist anders?

Meist schreibe ich, was in mir ist, manchmal nachdem ich es durchlebte, manchmal aber auch, weil ich für mich selbst alles sortieren muss. Das scheint heute der Fall zu sein, so dass meine Zeilen für alle hilfreich sind, doch ganz besonders für mich selbst🙂

Ich schau jetzt mal, ob sich mein Pfad verändert und wo es hingeht … auf jeden Fall in Richtung Vollmond … über die Brücke, auf den breiten und bequemen Pfad … hin zu mir und den letzten Puzzleteilchen … hoffe ich😉