Abschied

Und noch einmal steige ich tief hinab, um mich mitnehmen zu lassen in diese Bilder, um mich durchfließen zu lassen von erkennenden, auflösenden und heilenden Energien. Man sollte meinen, dass dies alles schon genug war, was in den letzten Jahren in mir geschah. Doch ist genau das der Punkt. Es geht darum, diesen großen Abschnitt der letzten 9 Jahre abzuschließen. Es sind bei mir wirklich fast 9 Jahre, die ich bewusst auf meinem Weg bin.

Wer war ich damals und wer bin ich heute? Größer könnte der Unterschied nicht sein. Alles, was seitdem geschah, brachte mich hierhin, wo ich jetzt stehe. Diese Bilder erreichten mich gestern Abend, nicht etwa mit voller Wucht sondern ganz sanft flossen sie an meinem inneren Auge vorbei. Irgendwann schlief ich ein, träumte, kann mich nicht erinnern, nur dass ich wieder sehr zeitig mit Kopfschmerzen und Tränen erwachte. Also arbeitet es weiter.

Ich nehme Abschied, ganz bewusst, in der Stille, allein. Ein Abschied, der so viel mehr beinhaltet, als man vielleicht von außen betrachtet meinen könnte. Es geht etwas zu Ende … eine Zeit, in der ich mich ganz neu kennen gelernt habe. Eine Zeit, die von den heftigsten Wellen begleitet wurde und wo ich mich ganz oft in den Tälern wieder fand. Doch es ging auch immer wieder hinauf und immer wieder weiter.

Heute nun fühle ich mich wund, traurig, eben wie Abschied. In der Dunkelheit des Morgens wurde mir plötzlich so viel bewusst, Dinge, die in den letzten Tagen und Wochen geschahen, damit ich erkennen konnte, Dinge, die sich immerzu wiederholten, damit ich endlich sehe, wo ich immer noch gefangen bin. Die Routine ist so stark verankert, dass es ganz schön Kraft braucht, um auszubrechen. Doch diese Kraft habe ich, ich weiß das!

Ich fühle mich wie vor einem Sprung ins Ungewisse. Dies hatte ich schon mehrfach ähnlich gespürt, doch war es meist innerlicher Art und brachte nicht gleich das ganze Leben durcheinander. Diesmal kommt es mir anders vor. Das, was zu Ende geht, signalisiert mir, dass dem wirklich jetzt so ist. Und darauf folgt, nur wenn ich den nächsten Schritt sichtbar gehe, mich für mich und mein Leben entscheide, dies kund tue und mich für den Fluss der Dinge ganz weit öffne, nur dann kann sich meine Seele weiter ausbreiten. Das ist so sehr spürbar, so wie bisher überhaupt noch nicht.

Gleichzeitig kommen sofort die Gedanken in Gang und wollen mir erzählen, was alles nicht geklappt hat, dass dies nicht möglich sei usw. . Eine ziemliche Gratwanderung, finde ich. Ich empfinde es fast wie ein Kampf in mir, Ängste und Gedankensalat gegen Sehnsucht und Wissen, dass es nicht mehr anders geht, als dem Weg der Sehnsucht zu folgen. Über das „Wie?“ spreche ich erst mal nicht, denn das ist erst recht noch nicht sichtbar. Vielleicht kann es das einfach auch noch nicht sein, bin ich doch gerade erst bei meinem Erkennen und dem Heilen dieser Dinge angekommen. Doch es scheint schneller zu gehen, als ich es bisher kenne.

Also Abschied, von mir, die ich einst meinte zu sein, von Dingen, die mich hierher begleitet haben, von Orten, an denen ich all dies erfuhr, von dem, was ich dachte, das es zu mir gehört …

Abschied

Manchmal ist es ganz still.
In der Dunkelheit der Nacht
tanzen Bilder,
kommen Fragen
wird vieles klar.

Klar, was alles geschah,
damit ich lerne,
damit ich verstehe,
damit ich heile
damit ich gehe.

Tränen waschen rein,
was nicht mehr soll sein.
Sie nehmen mit,
lösen auf,
heilen.

Tiefe Wunden zeigen sich.
Liebende Hände legen
sich darüber und geben
Liebe
und noch mal Liebe.

Ich tanze sie weg,
die Traurigkeit,
die Angst.
Öffne mich,
meine Hände, ganz weit …

Und dann ist es so still,
dass ich mein Herz höre.
Es spricht zu mir,
sagt leise und sanft:
„Danke!“:

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